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Arbeitsweise der Zukunft in der Haufe Group – ein Interview mit Birte Hackenjos

Arbeitswelt der ZukunftStory

Wie sollen und wie wollen wir künftig arbeiten? Diese Frage treibt Unternehmen um. Die Erfahrungen mit Mobilarbeit in den zurückliegenden Monaten haben gezeigt: Präsenz um der Präsenz willen hat keine Zukunft. Die Haufe Group macht einen mutigen Schritt und legt die Entscheidung in die Hände der einzelnen Teams. Denn die Menschen im Unternehmen wissen am besten, wie sie sich organisieren und zusammenarbeiten müssen, um das Beste für die Kund:innen zu erreichen. So unterschiedlich die Anforderungen an die Teams, so divers sind die Antworten. An dieser Stelle interviewen wir Birte Hackenjos zu ihrer Meinung zu Corona, zum neuen hybriden Arbeitsmodell in der Haufe Group und der Arbeitswelt der Zukunft.

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Die Pandemie hält uns seit fast zwei Jahren im Griff. Wir erleben Sie diese Zeit?

Ziemlich herausfordernd, manchmal anstrengend, aber immer voller Zuversicht und Tatendrang. So würde ich die letzten Monate für mich persönlich zusammenfassen. Wie alle anderen freue auch ich mich, wenn wir bald wieder zu mehr „Normalität“ zurückkehren können – wie immer dieses „neue Normal“ dann auch aussieht.  

Was waren, was sind die größten Herausforderungen für Sie als CEO und für die Haufe Group?

Die Herausforderungen der Pandemie begegnen uns auf zwei Ebenen. Die erste ist die unternehmerische, die wirtschaftliche Dimension. Da haben wir in der Pandemie zum Glück die richtigen Entscheidungen getroffen und das vergangene Geschäftsjahr erfolgreich abgeschlossen. Und auch das neue Geschäftsjahr ist gut angelaufen.

Neben dem Unternehmerischen ist für mich aber die Frage: „Wie geht’s eigentlich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in dieser Zeit?“ von entscheidender Bedeutung. Und auch hier habe ich das Gefühl, dass uns die Pandemie nochmal weitergebracht hat - so paradox das vielleicht auf den ersten Blick klingen mag. Wir sind in der Haufe Group menschlich näher zusammengerückt, obwohl wir in den letzten Monaten meistens nur über den Bildschirm miteinander verbunden waren. Wir haben andere Seiten und Facetten an- und voneinander gesehen und kennengelernt. Das schätze ich sehr und freue mich, dass wir diese kulturelle Herausforderung gemeinsam gut gemeistert haben.

Mobilarbeit, Remote Work, Homeoffice: Die Pandemie hat gewohnte Arbeitsweisen über den Haufen geworfen. Wie ist die Haufe Group damit umgegangen?

Wir hatten das große Glück, dass wir auch schon vor Corona sehr flexibel hinsichtlich der Arbeitsmöglichkeiten aufgestellt waren. Mobil- oder Remote-Arbeit gehört bei uns schon recht lange zum Standard. Aber natürlich mussten auch wir uns Anfang 2020 innerhalb kürzester Zeit umstellen und quasi über Nacht den gesamten Geschäftsbetrieb ausschließlich digital abwickeln. Das war in vielen unserer Geschäftsbereiche relativ problemlos möglich, in anderen waren hingegen ganz neue, kreative Lösungen gefragt. Denken Sie etwa an das gesamte Weiterbildungsgeschäft, das ja bis dahin vor allem in Präsenz stattgefunden hat. Aber auch das haben wir gut hinbekommen und sind heute dort besser aufgestellt als vorher.

Die Erfahrungen der vergangenen Monate stellen die traditionelle Arbeitswelt in Frage. Viele Unternehmen suchen nach Antworten auf die Frage, wie sie in Zukunft arbeiten werden. Hat die Haufe Group die Antwort schon gefunden?

Wir haben eine für uns passende Antwort gefunden. Vorab aber nochmal rasch vorneweg, um das klar zu sagen: Im Moment geht’s vor allem um unsere Gesundheit und darum gesund zu bleiben. Deswegen stehen Kontaktreduzierung und Mobilarbeit aktuell natürlich im Fokus. Aber dennoch ist es gut und wichtig, sich schon jetzt mit der Zeit nach der Pandemie auseinanderzusetzen. Dabei ist für uns längst klar: In die Arbeitswelt, wie wir sie bis Anfang 2020 kannten, werden wir nicht mehr zurückkehren. Im Gegenteil: Wir etablieren ein hybrides Arbeitsmodell, das die Vorteile aus mobiler, unabhängiger Arbeit und persönlichem Austausch vereint. Dabei setzen wir auf Eigenverantwortung, das heißt: Wir gestalten unsere Arbeitswirklichkeit künftig selbst – und zwar in unseren Teams. Passgenau und am entsprechenden Bedarf ausgerichtet. Und weil die Zukunft der Haufe Group für uns alle wichtig ist, haben wir dieses neue Modell gemeinsam entwickelt und stellen die neuen Weichen jetzt auch gemeinsam.  

Bei Ihnen sollen und werden die Teams für sich entscheiden, wie die Zusammenarbeit aussieht. Ein mutiger Schritt. Ist Ihre Organisation reif für solch dezentrale Entscheidungen?

Ich denke schon, in jedem Fall sollten wir es ausprobieren. Unser neues Modell wurde ja nicht vom Management vorgegeben, sondern von einem bereichsübergreifenden Team aus Mitarbeitenden in enger Abstimmung mit dem Konzernbetriebsrat entwickelt. Vorher hatten wir im Sommer alle Kolleginnen und Kollegen nach ihren Meinungen und Einschätzungen gefragt. Dabei ist ein klares Bild herausgekommen – so gut wie niemand möchte mehr vollständig zurück ins Büro, aber auch nicht ausschließlich von zuhause arbeiten. Ganz zentral war deshalb für uns die Erkenntnis, dass eine pauschale Lösung, die für alle gleichermaßen gilt, bei uns wenig Sinn macht. So sind wir zur Eigenverantwortung gekommen und dahin, dass die Teams für sich selbst ein passendes ‚operating model‘ finden sollen.  

Was versprechen Sie sich davon, die Verantwortung für die Zusammenarbeit in die einzelnen Teams zu geben?

Verantwortung zu übernehmen, das zeichnet uns als Familienunternehmen seit mehr als 70 Jahren aus. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Haufe Group wissen, spüren und schätzen das. Deswegen ist es für uns selbstverständlich, Verantwortung dorthin zu delegieren, wo sie hingehört und optimal wahrgenommen werden kann – in den einzelnen Teams.  Es ist doch so: Was für die einen wunderbar remote in Team-Calls funktioniert, geht bei anderen deutlich kreativer vor Ort auf unserem Campus oder an einem der anderen Standorte. Diesen unterschiedlichen Bedürfnissen tragen wir künftig noch stärker Rechnung, indem wir auf die Kraft der Teams und die Eigenverantwortlichkeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen.

Umfragen zeigen immer wieder: Mitarbeiter:innen wollen flexibel zwischen Mobilarbeit und Präsenz im Büro wechseln, Führungskräfte wollen so viel Präsenz wie möglich. Gibt es diese Kluft auch bei Ihnen? Und wie geht die Organisation damit um?

Ich sehe da überhaupt keine Kluft, ganz im Gegenteil. Wir haben im Rahmen unserer Umfrage unter den Mitarbeitenden klar gespiegelt bekommen, dass die Arbeitswelt der Zukunft ein hybrides, flexibel gestaltbares Lösungsmodell sein muss. Klassisches Schwarz-Weiß-Denken in „Entweder-Oder“-Optionen hat ausgedient. Das müssen sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeitende lernen und für sich in passgenaue Team-Lösungen übersetzen.  

Was heißt eine solche Vielfalt für Führung? Wie sieht Führung in einer diversen und hybriden Arbeitswelt aus?

Führung heißt für mich in diesem Kontext vor allem Klarheit und Zutrauen. Das bedeutet vermutlich, dass Führung anders, sehr viel stärker in Richtung „Befähigung“ ausgestaltet sein muss. Etwa bei der Frage: „Wie bringe ich Teams dazu, dass sie motiviert, produktiv und kreativ bleiben, auch wenn sie sich über längere Zeit nicht persönlich sehen.“ Ich persönlich bin mir sicher, dass wir in der Haufe Group verantwortlich mit der neuen Flexibilität und im Sinne des Unternehmens umgehen. 

Im Kern geht es darum, dass Menschen sich nahezu jeden Tag dem notorischen Neuen Normal nähern. Es ist ein herantastendes Experimentieren und Ausprobieren. Wie unterstützen und begleiten Sie in der Haufe Group diesen Prozess?

Lernen ist nicht nur eines unserer zentralen Geschäftsfelder, wir sind auch selbst eine lernende Organisation. Für uns bedeutet dieses neue Arbeiten auch: ausprobieren und nach ein paar Monaten gemeinsam draufzuschauen, was sich bewährt hat und was vielleicht nochmal verändert werden muss. So werden wir schlussendlich nicht nur eine Krisensituation gemeistert haben, sondern aus ihr gestärkt hervorgehen. Davon bin ich überzeugt.  

Zittern Sie manchmal vor Ihrer eigenen Kühnheit?  

Nein, wir sind gar nicht so kühn. Wir haben einige Ideen und einen guten Plan, Zukunft gemeinsam zu gestalten. Das treibt uns jeden Tag an.

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