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Brandneue Studie der Haufe Group: "Arbeitswelt der Zukunft im Mittelstand"

Arbeitswelt der ZukunftStory

Das Thema Arbeitswelt der Zukunft wird gerade hoch und runter diskutiert. Wir erinnern uns an den Post von Elon Musk zu Remote Work, da erscheint die brandneue Studie der Haufe Group mit spannenden Ergebnissen, welche der Diskussion neues Futter geben dürfte.

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Wie gut ist der deutsche Mittelstand für die neue Arbeitswelt der Zukunft gerüstet? Wie hat er die coronabedingte Homeoffice-Pflicht gemeistert? Gibt es bereits innovative neue Konzepte? Und wenn ja, wie sehen diese aus? Genau diese Fragen sollte die Studie, durchgeführt von Kantar im Auftrag der Haufe Group, beantworten.

New Work ist längst nicht das New Normal


Im April 2022 fanden zehn Einzelinterviews mit Menschen mit und ohne Führungsrollen statt, die ein heterogenes Bild abgaben. Das Mindset im Mittelstand variiert zwischen Unternehmen, die noch stark von klassischen Hierarchien geprägt sind und denen, die sich vertrauensbasierten, dezentralen Organisationsformen öffnen. Dementsprechend ist die ganze Bandbreite von Arbeitsmodellen vorhanden. Von 100 Prozent Homeoffice bis zurück zur Präsenzkultur.

Die wichtigsten Ergebnisse aus den Einzelinterviews:

• Homeoffice wurde plötzlich von der Ausnahme zum Standard und stellte Routinen und Glaubenssätze in Frage. Während der pandemiebedingten Umstellung konnte der Mittelstand seine kurzen Entscheidungswege ausspielen. Vielen gelang das erstaunlich gut und die Akzeptanz für Homeoffice und Remote Work hat stark zugenommen.
• Die hybride Zusammenarbeit nach der Pandemie ist noch nicht klar definiert. Technische Voraussetzungen sind vorhanden. Organisatorische und kulturelle Fragen zu lösen, das sind die großen Herausforderungen.
• Im eigenen Team haben die Befragten das Gefühl, Einfluss auf die Veränderung der Arbeitsprozesse zu haben. Unternehmensweit fühlen sie sich nicht eingebunden.
• Digitalisierung wird als technologisches Thema gesehen. Implikationen für neue Arbeitsprozesse und Unternehmenskultur stehen dabei kaum im Fokus.

Die Stimmung unter den zehn Befragten war gemischt. Das Spannungsfeld der Antworten erstreckte sich von „jungen Chefs, die die Zügel lockerlassen und wo jeder seine Arbeitszeit selbstverantwortlich gestalten kann“, bis hin zu „Bei uns ist keine Begleitung bei der Transformation geplant.“ Mehr oder weniger ließen die Arbeitgeber das Homeoffice so laufen, wie es pandemiebedingt aufgesetzt wurde. Neue Konzepte oder eine Vorbereitung auf die Zeiten nach der Homeofficepflicht? Meist Fehlanzeige.

„Wir hatten ein paar Schulungen, wie man Teams nutzt oder online arbeitet. Aber da muss noch ein ganzheitliches Konzept kommen. Wir machen noch einen Mix aus Telefon, Teams und Dateien per E-Mail verschicken.“ Projektleiterin Marketing, 35 Jahre, 500 Mitarbeiter:innen im Unternehmen


43 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen im Dornröschenschlaf?


Die qualitative Online-Befragung von über 1.000 Menschen, darunter etwa 250 Führungskräfte im Mai, ergab oberflächlich betrachtet ein positives Bild. 73 Prozent aller Befragten – und das waren nur Menschen, die auch Homeoffice wirklich ausüben oder theoretisch ausüben konnten – sahen die Vorteile und Chancen von Homeoffice überwiegen; unter den Geschäftsführer:innen gar über 80 Prozent. Dass die Coronapandemie neue Arbeitsweisen beschleunigte, ist aus anderen Studien schon bekannt.

Wirklich spannend ist allerdings die Erkenntnis, dass 43 Prozent der befragten Mittelständler keine Antworten auf die dringenden Fragen der Arbeitswelt der Zukunft haben. Das heißt zwar auch, dass mehr als die Hälfte aller Unternehmen sich mit dem Thema schon auseinandergesetzt haben, aber die Zahl derer, die verunsichert sind, ist unbestritten hoch.

Mehr als ein Viertel der Befragten gibt an, dass in ihrem Unternehmen konkrete Konzepte umgesetzt werden. Das heißt aber keineswegs, dass diese Unternehmen auch auf die neuen Arbeitsformen setzen. Manche kehren zur Präsenzpflicht zurück, andere stellen eher willkürliche Regeln auf. Bei 45 Prozent ist es in Absprache mit dem oder der Vorgesetzten eher Glückssache, wie im Homeoffice gearbeitet wird. In vier von zehn Unternehmen sind noch keine Regelungen getroffen oder kommuniziert worden oder es existieren allenfalls erste Überlegungen.

Auch ein spannendes Ergebnis: Selbst Führungskräfte konnten nur zu 26 Prozent Einfluss auf neue Prozesse nehmen oder neue Konzepte mitgestalten. Nicht-leitende Angestellte hatten hier nur zu 8 Prozent Möglichkeiten der Mitgestaltung. Führungskräfte sind es auch, die von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch Homeoffice 8 Prozentpunkte stärker profitieren als Angestellte ohne Führungsverantwortung.

Kolleg:innen mit Laptop und Microsoft Teams auszustatten, war eine leichte Übung. 50 Prozent der Befragten sahen hier das größte Investment ihrer Arbeitgeber. Schulungen und Weiterbildungen im Hinblick auf Teamwork und Selbstorganisation waren sehr viel seltener. Nur 12 Prozent konnten hier von Investitionen ihres Unternehmens berichten.

Die größte Hürde erkennen die Befragten im persönlichen Kontakt unter Kolleg:innen (54 Prozent) in hybriden Arbeitswelten und beim informellen Austausch untereinander (52 Prozent). Hier fehlt es generell an Antworten, wie in mobilen Arbeitsweisen beides erhalten oder gar intensiviert werden kann.

Auch größere Veränderungen im Verständnis von Führung haben die zurückliegenden Jahre laut Studie nicht gebracht. Für nur 9 Prozent der Befragten hat sich ein kooperativer Führungsstil durchgesetzt. Herkömmliche hierarchische Strukturen gerieten nicht ins Wanken. Nur 6 Prozent erkannten hier eine Aufweichung vorhandener Strukturen. Gar nur 5 Prozent nahmen wahr, dass bei der Arbeitsbelastung genauer hingesehen wurde. Beim Thema Vertrauen konnten immerhin knapp 30 Prozent ein positives Umdenken feststellen.

Es bleibt viel zu tun, bis zur neuen Arbeitswelt der Zukunft


Die über drei Millionen mittelständischen Unternehmen in Deutschland stehen vor großen Aufgaben. Antworten auf die Disruption finden, veränderte Lieferketten, Prozesse, Arbeitsweisen und Kulturen. Hinzu kommen unvorhersehbare Krisen wie Corona oder Krieg in Europa. Mit ihren Millionen von Beschäftigten leisten diese Unternehmen, die häufig in Familienbesitz sind, einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Wertschöpfung. Mittelständische Unternehmen entwickeln sich erfolgreich, wenn sie sich wandeln und gleichzeitig doch treu bleiben. Das bedeutet auch, dass sie Innovationsprozesse, auch bei der Arbeitsgestaltung, aktiv angehen. Der Umbruch in der Arbeitswelt ist eklatant. Es gilt, die Transformation selbst voranzutreiben, um auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Über die Studie
In der Studie zur „Arbeitswelt der Zukunft im Mittelstand“ wurden bundesweit vom 3. bis 16. Mai 2022 mittelständische Unternehmen in Deutschland (50 - 10.000 Mitarbeiter:innen) aus den Bereichen Dienstleistung, Handel und Produktion befragt. Die befragten Mitarbeiter:innen mussten einen Beruf ausüben, in dem Home-Office (teilweise) möglich oder theoretisch möglich war. Die Studie besteht aus einer qualitativen Vorstudie mit Einzelexplorationen und einer quantitativen Onlinebefragung. Insgesamt wurden 1.042 Onlineinterviews geführt, 263 davon mit Führungskräften. Im Fokus standen Fragen nach der Arbeit im Home-Office, da Home-Office als Überbegriff für alle Formen von Mobile Work dient und durch die Home-Office-Pflicht alle befragten Unternehmen davon betroffen waren.

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