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Führung braucht einen neuen Bauplan

Arbeitswelt der ZukunftStory

Wenn Mitarbeiter:innen wirklich im Fokus stehen, dreht sich alles um Empowerment. Welchen neuen Führungsstil es künftig für die Arbeitswelt der Zukunft braucht und unter welchen Bedingungen Führung zu Empowerment wird, das erläutert der nachfolgende Artikel.

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Wenn auf die Dienstreise eine Flut an Formularen folgt, fest vorgeschriebene Betriebsabläufe die Arbeit verlangsamen und nine-to-five zum A und O im Alltag wird: Nicht nur Beschäftigte verzweifeln im Berufsleben an scheinbar unveränderbaren, bürokratischen Strukturen. Auch Unternehmen fühlen sich zunehmend gelähmt, wenn alles nur nach Vorschrift geschieht. Was solche Organisationen brauchen, ist ein neuer Bauplan.


Als Wahlhelfer:in bei der Bundestagswahl tausende Stimmzettel auszählen. Getränke und Snacks beim Juniorenturnier des örtlichen Fußballvereins verkaufen. Die eigene Familie durch den stressigen Alltag führen. In ihrem Privatleben werden Menschen Tag für Tag auf sehr unterschiedliche Weise wirksam. Im Ehrenamt, in Vereinen und in der Familie. Ganz anders sieht das häufig an ihrem Arbeitsplatz aus, den viele Menschen als eine getrennte Sphäre in ihrem Leben behandeln. Welche Umstände führen zu so einem Doppelleben? Und wie entfalten Mitarbeiter:innen ihr Potenzial im Beruf genauso wie in der Freizeit?


Wer nicht passt, wird passend gemacht


Der Fehler liegt nicht beim Individuum selbst, sondern in den Strukturen, in denen sie sich bewegen. Egal ob starre Arbeitszeitregelungen oder streng vorgegebene Arbeitsabläufe: Bürokratische Systeme sind das Ergebnis jahrzehntelanger Anstrengungen, um Komplexität im Unternehmen zu reduzieren und Abläufe effizienter zu machen. Was vor 40 Jahren die ideale Antwort auf Probleme war, wird heute selbst zum Problem. Viele Organisationen pressen Menschen in bürokratische Strukturen, in denen sie funktionieren müssen, wie die Strukturen es vorsehen. Sie sehen Menschen nicht wie eigenverantwortliche, fähige Individuen. Wer nicht in das System passt, wird passend gemacht.  


„Dauerhaft führt das zu Stillstand, Passivität und Arbeit nach Vorschrift“


In bürokratischen Strukturen zu verharren, hat fatale Folgen für die Arbeit im Unternehmen. Dauerhaft führt das zu Stillstand, Passivität und Arbeit nach Vorschrift. Wer nichts verändern darf, mit dem ist keine Veränderung zu gestalten. Wer nicht mitreden darf, macht sich klein und drückt sich vor Verantwortung. Wer nach Weisung handeln muss, tut nur das und nicht mehr als das, was ihm aufgetragen wird. Mit transformativen und innovativen Entwicklungen in der Organisation tun sich unterdrückte Mitarbeiter:innen meist schwer. Oder schlimmer: Sie blockieren gar die Einführung neuer Prozesse, Tools und Methoden. Und damit hemmen sie den Fortschritt des gesamten Unternehmens.


Die Befreiung von den Fußfesseln


In einer solchen Atmosphäre entpuppen sich die Suche nach einem fortschrittlichen Miteinander und die Umsetzung gemeinsamer Ziele als Schwerstarbeit. Ein Unternehmen kann sich aus diesem Trott nur befreien, wenn es das Potenzial der Menschen freisetzt und ihr Selbstvertrauen stärkt. Es geht darum, ihnen mehr Freiräume zu bieten und ihren Handlungsspielraum zu vergrößern. Wer das Potenzial der Beschäftigten heben will, muss sie „von den Fußfesseln befreien“, sagt Oliver Sowa, Geschäftsführer der Beutlhauser Gruppe in einem Interview auf New Management. Diese Fesseln liegen überall dort, wo Prozesse lange und unbehelligt vor sich hinlaufen.


„Der Auftrag lautet Aufklärung“


Papierintensive Prozesse nicht nur digitalisieren, sondern auf ein schlankes Maß herunterbrechen. Bedürfnisse der Beschäftigten unterstützen, statt ihnen lediglich stattzugeben. Die Arbeit mit alternativen Lösungswegen und digitalen Werkzeugen fördern: Unternehmen können ihren Mitarbeiter:innen ein unterstützendes Umfeld schaffen, in dem sie sich ermutigt fühlen, ihre eigene Rolle zu finden, mündige Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Der Auftrag lautet Aufklärung. Unternehmen brauchen dafür einen neuen Bauplan.


Der neue Bauplan


In der Bürokratie geht alle Macht von den herrschenden Strukturen sowie von den Menschen aus, die diese Strukturen kontrollieren. Inzwischen sehen viele Unternehmen ihre Beschäftigten anders, nicht als Instrumente, als Ressourcen mit Arbeitsvertrag, die Produkte und Dienstleistungen umsetzen oder der Organisation dienen. Um einen Bauplan schaffen, der Menschen und ihren Bedürfnissen gerecht wird, entfernen einige Unternehmen die lähmenden Fußfesseln und konzentrieren sich auf gemeinsamen Erfolg. Sie stellen den Menschen ins Zentrum der Organisation.


„Das wichtigste Instrument ist die Organisation selbst“


Einen starken Impuls liefern die Unternehmensberater Gary Hamel und Michele Zanini mit dem Konzept der sogenannten Humanocracy – der Herrschaft des Menschen (mehr Informationen dazu). Das wichtigste Instrument sei demnach die Organisation selbst. Als ein Rahmen, in dem Beschäftigte ihr Leben und das der anderen verbessern können. Statt ihre Mitarbeiter:innen zu fragen, was diese für die Organisation tun können, fragten “humanokratische” Unternehmen: Was können wir tun, damit Menschen ihr Bestes geben?


Von Verwalter:innen zu Gestalter:innen


In der mitarbeiterorientierten Organisation dreht sich alles um Empowerment, um Befähigung und um Leistung. Indem Führungskräfte ihre Macht und Verantwortung in Teilen abgeben, brechen sie nicht nur hemmende Strukturen auf. Sie schaffen darüber hinaus neue Strukturen, die Leistung fördern und Mitarbeitende auch fordern. Es geht darum, dass Menschen ihre Fähigkeiten nutzen, neue Lösungen für Herausforderungen finden und so den Kundennutzen und den Unternehmenserfolg steigern. Weg vom Verwalten, hin zum Gestalten.

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