|

Führung heißt vor allem Kommunikation

Arbeitswelt der ZukunftStory

Kommunikation ist keine Einbahnstraße. War sie noch nie und ist sie unter digitalen Arbeitsbedingungen erst recht nicht. Doch auch digitale Kommunikation will gelernt sein. Nachfolgender Artikel gibt Impulse, wie sie gelingt.

Minuten Lesezeit

In Zukunft wollen nur die wenigsten Beschäftigten zur reinen Präsenzarbeit zurückkehren. Im gleichen Zuge bieten Unternehmen immer mehr Jobs an, in denen Homeoffice teilweise oder sogar vollständig möglich ist. Diese hybride Arbeitswelt bietet Chancen, aber stellt Unternehmen auch vor Probleme. Um Mitarbeiter:innen zu befähigen und gutes Teamwork zu fördern, müssen Unternehmen ihren Führungsstil verändern. Und ihre Art zu kommunizieren.


Im Unternehmensalltag können Führungskräfte vieles falsch machen. Sie können aber auch vieles richtig machen. In der digitalen Transformation benötigen Mitarbeiter:innen moderne Arbeitsplätze und digitale Tools. In Phasen der beruflichen Um- und Neuorientierung werden qualifizierte Ansprechpartner:innen und passende Beratungsangebote immer wichtiger. Unternehmen brauchen Selbstführung und Selbstorganisation. Führungskräfte können ihre Mitarbeiter:innen unterstützen, begleiten und befähigen. Das erfordert jedoch Kraft, Ausdauer und vor allem: Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation.


In Sorge um den Zusammenhalt


Wie gelingt Führung angesichts neuer Formen der Zusammenarbeit? Weil Beschäftigte überwiegend im Homeoffice arbeiten und nur noch selten ins Büro zurückkehren, sorgen sich viele Führungskräfte darum, wie sie im digitalen Miteinander eine motivierende Arbeitsatmosphäre aufrechterhalten und wie sie die Produktivität ihrer Teams auch weiterhin fördern. Gerade in der hybriden Arbeitswelt, die die kommenden Jahre prägen wird, ist Kommunikation der Schlüssel, mit dem Führungskräfte den Zusammenhalt und die Entwicklung ihrer Teams stärken. Ob Köpfe kleiner Teams, Leiter:innen von Abteilungen oder Geschäftsführer:innen von Unternehmen: Ausnahmslos alle müssen ihre kommunikativen Skills entdecken, ausbauen und anwenden.


Anstatt Mitarbeiter:innen davon zu überzeugen, wieder ‚zurückzukommen‘, gilt es jetzt, die Chance der partizipativen Ausgestaltung zu ergreifen. (Jule Jankowski, Kommunikationswissenschaftlerin)


Im Arbeitsalltag stoßen Führungskräfte jedoch oft an ihre Grenzen. Was können sie tun, wenn Menschen etwa nicht mehr zurück zur Präsenzarbeit kehren wollen? „Anstatt Mitarbeiter:innen davon zu überzeugen, wieder ‚zurückzukommen‘, gilt es jetzt, die Chance der partizipativen Ausgestaltung zu ergreifen“, betont Jule Jankowski, systemische Organisationsberaterin, in einem Beitrag auf New Management. Den individuellen Wünschen nach mehr Eigenbestimmtheit seien die Anforderungen an gemeinsame Ziele und Zusammenarbeit gegenüberzustellen, um möglicherweise festzustellen, dass es gar keinen Widerspruch gibt. Und dafür bräuchten Teams nun Raum zum Diskurs und zur Reflexion.


Von Feedback zu Workshops


Der kommunikative Korridor ist groß und bietet zahlreiche Kanäle. Regelmäßige Feedback-Gespräche geben Führungskräften und Mitarbeitenden die Möglichkeit, die eigene Arbeit zu reflektieren, zu loben, auf Probleme einzugehen, Lösungen zu suchen und die Zusammenarbeit zu verbessern. Im klassischen Mitarbeitergespräch geht es um gemeinsame Erwartungen und Ziele, um die persönliche und berufliche Weiterentwicklung. In Workshops regeln Teams ihre Zusammenarbeit und feilen am gegenseitigen Verständnis. Aber nicht jeder Ort erlaubt Teams die kreative und kommunikative Zusammenarbeit. Wie das Beispiel eines berühmten Animationsstudios in Kalifornien zeigt.


Ohne Absicht hatten wir ein Hindernis geschaffen, das Menschen davon abhielt, sich einzubringen (Ed Catmull, Informatiker)


Nach dem Welterfolg von „Toy Story“ im Jahr 1995 wollte der Pixar-Gründer Ed Catmull all jene Hindernisse beseitigen, die Inspiration und Kreativität im Wege standen. Trotz zahlreicher Veränderungen blieb eins unverändert: Im großen Konferenzraum stand ein langer und schmaler Tisch. Wer sich hier unterhalten wollte, saß am besten in der Mitte. Die Sitzordnung war deshalb durch Platzkarten festgelegt. Wer am Tischende oder in der zweiten Reihe saß, bekam von den Gesprächen nichts mit. Ein kommunikatives Problem. „Ohne Absicht hatten wir ein Hindernis geschaffen, das Menschen davon abhielt, sich einzubringen“, stellt der Gründer in seinem Buch „Die Kreativitäts-AG“ fest. Den Tisch ließ Catmull schließlich entsorgen und durch einen quadratischen Tisch ersetzen. Auch die Platzkarten verschwanden. Die Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeiter:innen öffnete sich ab sofort. Jede:r fühlte sich frei, etwas beizutragen.


Kommunikation auf allen Kanälen


Im Jahr 2022 beschäftigen sich Führungskräfte aber nicht nur mit Konferenzräumen und Sitzordnungen. Mithilfe digitaler Tools wie Umfragen, Chats, Onboarding-Apps und Wikis erleichtern sie die ungehinderte und ständige Kommunikation im Unternehmen. Konsequent angewendet, fördern sie damit das, was bereits funktioniert. Sie identifizieren aber auch, was nicht läuft. Und sie können schneller auf alltägliche Situationen reagieren. Auf allen verfügbaren Kanälen zu kommunizieren: Das empfinden viele Führungskräfte und Beschäftigte als eine große Herausforderung.


Kommunikation bedeutet zuhören, den anderen Menschen ernst zu nehmen und zu reagieren


Kommunikation ist harte Arbeit. Dafür braucht es digitale Kompetenzen und die Bereitschaft, flexibel mit Veränderungen umzugehen. Kommunikation braucht aber auch klare Regeln und ehrlichen Austausch. Führungskräfte sollten lernen, unvoreingenommen, aufmerksam und strukturell auf die Fragen ihrer Mitarbeiter:innen einzugehen und angemessen auf ihre Bedürfnisse zu reagieren. Beschäftigte fühlen sich dadurch zunehmend sicherer und lernen im Gegenzug, ihre Anliegen offen und direkt anzusprechen. Kommunikation bedeutet zuzuhören, den anderen Menschen ernst zu nehmen und zu reagieren. Kommunikation ist schließlich keine Einbahnstraße.

ErfolgsgeDANKE

Der Podcast über Erfolg, Karriere und New Work

Zum Podcast

Folgen Sie uns